Bsal Outbreak Among Fire Salamanders at the Bielefeld Botanical Garden
The salamander-killing fungus Bsal, which was introduced from Asia and first discovered in 2013, is responsible for the mass die-off of fire salamanders.
Starting in the tri-border region of the Netherlands, Belgium, and Germany, it has largely wiped out entire populations in the Eifel, the Ruhr region, and the Bergisches Land. According to current knowledge, every fire salamander that becomes infected dies in the wild. The fungus and its spores can survive in the habitat—at least for some time—even without a salamander host. Unfortunately, the fungus continues to spread. By the end of 2025, it had also reached Bielefeld. In and around the Bielefeld Botanical Garden lives one of the largest known fire salamander populations in Germany, estimated at 21,000 individuals, which has also been particularly well studied scientifically. It was precisely there that, in the fall of 2025, several dozen fire salamanders were found dead from the fungal disease. There is no way to treat the disease in the wild. It therefore had to be assumed that even this famous Bielefeld salamander population would be severely affected or completely wiped out within a few years.
90 % fewer animals than last year
Initial population surveys conducted in the spring of 2026 by the University of Bielefeld showed that 90% fewer animals were found compared to previous years. This does not necessarily mean that a mass die-off of this magnitude has already occurred, but it does indicate significant losses, which also seems plausible. Fire salamanders often retreat to communal shelters for hibernation, where large numbers of them spend the cold season huddled closely together—an ideal environment for the fungus to spread, as it is particularly effective at spreading through direct animal-to-animal contact in cooler temperatures. It is therefore possible that a significant portion of the Bielefeld fire salamander population already died during the past winter of 2025–26, and there is reason to fear that further declines will occur. At least, however, healthy adult animals as well as numerous young larvae were still found in the spring of 2026.
Backup through Conservation Breeding
Noch gibt es also Hoffnung für die Feuersalamander im botanischen Garten.
Es ist nicht vorherzusagen, ob von Bsal befallene Biotope eines Tages wieder pilzfrei sein werden, ob Lebensräume gegen Bsal behandelt werden können, ob die Feuersalamander Resistenzen gegen Bsal entwickeln oder ob es eines Tages Möglichkeiten zur prophylaktischen Behandlung oder Impfung der Lurche geben wird. Deswegen hält Citizen Conservation es im Sinne des Vorsorgegebots für notwendig, Feuersalamander-Erhaltungszuchten von verschiedenen Lokalitäten aufzubauen. So können zu einem späteren Zeitpunkt Tiere, die genetisch dem ursprünglichen Vorkommen entsprechen, wieder angesiedelt werden, sei es zur Bestandsstützung der beeinträchtigten Populationen oder zur Neuansiedlung nach einem möglichen kompletten oder weitgehenden Verschwinden.
Die Techniken zur langfristigen erfolgreichen Haltung und Vermehrung über Generationen sind beim Feuersalamander gut bekannt. In einer Machbarkeitsstudie hat Frogs & Friends den dafür nötigen, überschaubaren Aufwand aus wissenschaftlicher Sicht umfassend dargestellt.
An Action Plan for the Bielefeld Fire Salamander
Gemeinsam haben Citizen Conservation, der Zoo Wuppertal und die Universität Bielefeld daher der Stadt Bielefeld einen Aktionsplan vorgeschlagen. Dieser umfasst folgende drei Empfehlungen:
1) Die Population im Botanischen Garten Bielefeld soll durch die Universität Bielefeld weiter engmaschig überwacht und untersucht werden.
2) Durch gezielte Entnahme von ca. 150 Larven und deren Aufzucht in menschlicher Obhut soll eine Reservepopulation in Menschenhand aufgebaut werden. Entsprechende Haltungseinrichtungen stehen dafür bereit, u. a. im Umweltzentrum Heerser Mühle, bei der Fa. Aqua Purist, in NRW-Partnerzoos und Zoos des Landeszooverbands NRW sowie durch private Fachleute der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) Regionalgruppe Ostwestfalen-Lippe. Private Spender sowie der BUND Bielefeld haben sich im Vorfeld bereiterklärt, sich an den Kosten für eine solche Maßnahme zu beteiligen.
3) Infizierte erwachsene Tiere, die in Menschenhand gelangen, sollen therapiert werden. Der Zoo Wuppertal verfügt über die Möglichkeit, eine fachgerechte Wärmetherapie durchzuführen, mit der infizierte Feuersalamander mit sehr guter Erfolgsaussicht geheilt werden können, und stellt diese zur Verfügung.
Regrettable Rejection
Mit Datum vom 3.6.2026 hat das Umweltamt der Stadt Bielefeld auf diesen Vorschlag geantwortet. Während es Punkt 1) zustimmt und unterstützt, lehnt es die Punkte 2) und 3) ab. Weil der Feuersalamander eine besonders geschützte Art nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist, ist die Entnahme von Tieren, auch von Larven, verboten. Eine Ausnahmegenehmigung kann in begründeten Fällen durch das Umweltamt erteilt werden. Das Umweltamt der Stadt Bielefeld lehnt eine solche Ausnahmegenehmigung aber ab. Das begründet es zum einen damit, dass „die Erfolgsaussichten derartiger, aufwändiger Ex-situ-Maßnahmen völlig ungewiss“ sind, zum anderen damit, dass sich „in anderen betroffenen Regionen gezeigt hat, dass es Populationen gibt, die Bsal überstehen, gegebenenfalls bei reduzierter Populationsgröße“. In dem Schreiben heißt es zudem: „Es wird leider hinzunehmen sein, dass einige Arten im Zuge der Veränderungen der Natur- sowie Kulturlandschaft verloren gehen.“
Auch eine Behandlung infizierter Tiere lehnt das Umweltamt ab, mit dem Hinweis darauf, dass damit das Risiko des Verschleppens des Erregers einhergehe und eine Wiederfreilassung nach der Behandlung nicht erfolgversprechend sei, weil der Pilz noch im Lebensraum ist. Außerdem sei „eine Integrierung von behandelten Tieren in eine bestehende Erhaltungszucht nicht zu empfehlen, da es sich bei den Tieren zumeist um Individuen handelt, welche anfällig für den Pilz sind.“
Citizen Conservation nimmt die Antwort des Umweltamtes Bielefeld mit Bedauern zur Kenntnis und hält sie für bzgl. der genannten Punkte 2) und 3) für in der Sache verfehlt.
Why Ex-Situ Measures Would Be Appropriate
Der Feuersalamander ist eine Verantwortungsart der Bundesrepublik Deutschland. Die Aussage, dass Arten eben aussterben, wenn Bedingungen sich ändern, wird dieser besonderen Verantwortung unserer Meinung nach nicht gerecht.
Die Stadt Bielefeld verweist in ihrem Schreiben darauf, dass sie intensive Bemühungen für den Erhalt von Amphibienlebensräumen unternimmt. Das begrüßen wir, nur nutzen solche Bemühungen bei einer invasiven Pilzerkrankung nichts, weil das Problem gänzlich anders gelagert ist. Der Pilz schlägt auch in gesunden, nicht beeinträchtigten Lebensräumen zu.
Es ist richtig, dass es heute noch ungewiss ist, ob eine spätere Wiederansiedlung bei einem möglichen Erlöschen der Population erfolgreich verlaufen wird. Das kann aber aus unserer Sicht kein Grund sein, sich diese Option nicht zumindest zu erhalten. Denn ist die Population einmal verschwunden, ist nicht einmal der Versuch einer Wiederansiedlung mit Tieren von diesem Standort möglich.
In jedem Fall aber ist gewiss, dass bestandsstützende Maßnahmen durch das Auswildern von gezüchteten Tieren einen positiven Effekt auf geschwächte Populationen haben können. Dies gilt umso mehr, wenn durch die rechtzeitige Entnahme von Gründertieren für eine Wiederansiedlung Tiere mit hoher genetischer Diversität zur Verfügung stehen, um die zu einem späteren Zeitpunkt womöglich stark reduzierte und daher genetisch auch massiv verarmte Population zu stützen.
Factual Fallacies
Die Aussage der Stadt Bielefeld, dass sich „in anderen betroffenen Regionen gezeigt hat, dass es Populationen gibt, die Bsal überstehen, gegebenenfalls bei reduzierter Populationsgröße“, verzerrt die Erkenntnislage, denn ob von Bsal betroffene Populationen langfristig tatsächlich überlebensfähig sind, ist ungeklärt, da nicht bekannt ist, ob die – teilweise nur vereinzelten – Tiere, die nach einem Ausbruch noch gefunden werden, nachträglich zugewandert sind, durch statistischen Zufall überlebt haben oder womöglich tatsächlich mit dem Pilz leben können. Gleichzeitig ist ungeklärt, ob die Populationen beim Überleben nur von einzelnen Individuen angesichts des Verlusts genetischer Diversität überhaupt langfristig bestehen werden. Es wird allgemein angenommen, dass eine hohe genetische Diversität hilft, sich an verändernde Umweltbedingungen, etwa durch den Klimawandel, anzupassen.
Nach allgemeiner fachlicher Meinung hat die Entnahme einer begrenzten Zahl von Larven keinen messbaren negativen Einfluss auf eine Feuersalamanderpopulation. Unter natürlichen Bedingungen ist die Larvensterblichkeit sehr hoch. Dies gilt umso mehr, als die Tiere nach ihrer Umwandlung vom Larvenstadium zum Salamander mit hoher Wahrscheinlichkeit an Bsal erkranken und sterben werden. Die Voraussetzungen für eine Ausnahmegenehmigung vom Entnahmeverbot durch den besonderen Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes sind daher nach unserer Überzeugung gegeben, sodass kein juristisches Argument gegen den Aufbau einer solchen Erhaltungszucht besteht.
Vielmehr wäre aus unserer Sicht die juristische Frage zu stellen, inwieweit es tierschutzrechtlich darstellbar ist, „offensichtlich erkrankte Tiere vor Ort zu belassen“, wie die Stadt Bielefeld empfiehlt. Die Frage könnte schnell relevant werden, wenn erkrankte Feuersalamander z. B. von Bürgerinnen oder Bürgern gefunden und gemeldet oder bei Monitoring-Maßnahmen aufgegriffen werden. Die Aussage der Stadt Bielefeld, dass „eine Integrierung von behandelten Tieren in eine bestehende Erhaltungszucht nicht zu empfehlen [ist], da es sich bei den Tieren zumeist um Individuen handelt, welche anfällig für den Pilz sind“, ist sachlich falsch. Es gibt nach bisherigem Kenntnisstand keine Feuersalamander, die nicht anfällig für den Pilz sind. Hingegen ist bewiesen, dass eine vollständige Heilung durch therapeutische Maßnahmen bei sachgerechter Behandlung möglich ist. Gegen die Integrierung solcher geheilten Tiere in Erhaltungszuchten bestehen keine fachlichen Bedenken.
A violation of the Convention on Biological Diversity?
Ebenso stellt sich die Frage, inwiefern sich die Position der Stadt Bielefeld, dass „es leider hinzunehmen sein“ wird, „dass einige Arten im Zuge der Veränderungen der Natur- sowie Kulturlandschaft verloren gehen“, mit den von der EU ratifizierten Verpflichtungen aus der Convention on Biological Diversity (CBD) vom Weltgipfel 1992 in Rio de Janeiro sowie der im Naturschutzgesetz festgelegten Verpflichtung Deutschlands, die Biodiversität des Landes zu schützen, in Einklang zu bringen ist.
Artikel 9 der CBD stellt fest, dass Ex-situ-Maßnahmen fester Bestandteil als Maßnahmen im Kampf für den Erhalt der Biodiversität sind. Sie sind verpflichtend, wenn sie als Ergänzung zum Schutz einer Art in ihrem natürlichen Lebensraum als sinnvoll erachtet werden – dazu haben sich alle Vertragsparteien, also auch Deutschland, verpflichtet. Dieser Artikel 9 wird in der EU-Zoorichtlinie umgesetzt, wodurch Zoos zu Trägern der staatlichen Verpflichtung des Ex-situ-Schutzes bestellt werden. Diese wiederum haben Citizen Conservation mitbegründet, um ihre Aufgabe effektiv anbieten und erfüllen zu können, und sich im Fall der Bielefelder Feuersalamander auch selbst angeboten, Tiere für eine Erhaltungszucht zu übernehmen.
Die Untere Naturschutzbehörde (in der Stadt Bielefeld im Umweltamt integriert) kann unserer Meinung nach daher nicht eigenmächtig beschließen, eine relevante Population einer gefährdeten Art aussterben zu lassen, wenn ihr Überleben im angestammten Lebensraum nicht mehr gewährleistet ist, was im Fall der Feuersalamander des Botanischen Gartens unstrittig der Fall ist – genau diese Entscheidung wird in Artikel 9, Abschnitte c und d der CBD ausdrücklich verboten. Vielmehr wäre die Untere Naturschutzbehörde unserer Auffassung nach verpflichtet, Ex-situ-Maßnahmen und entsprechende Naturentnahmen zu initiieren, wenn sie selbst feststellt, dass die durchaus als relevant einzustufende Population der Bielefelder Feuersalamander gefährdet ist.
Nothing to lose
Ex situ conservation breeding provides a proven tool for preserving and propagating members of a population over several generations, thereby ensuring the availability of “genetically authentic” animals for future population-support or reintroduction measures. The removal of founder individuals for such an ex situ conservation breeding program will have no measurable negative impact on the remaining population. A significant portion of the effort required for conservation breeding can be provided through the volunteer work of citizens and institutions such as Citizen Conservation. Furthermore, such a population in human care can yield important scientific insights, including those related to Bsal. From our perspective, therefore, there is nothing against—but a great deal in favor of—undertaking such an attempt.




